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11.08.2011

FIRST STEPS Ehrenpreis 2011 für Gerd Ruge

Am 23. August erhält Gerd Ruge den FIRST STEPS Ehrenpreis. Der Journalist, der gerade seinen 83. Geburtstag feierte, gehört seit der ersten Verleihung der FIRST STEPS Awards zur Jury für den Dokumentarfilm. Seit 2002 fördert er im Rahmen des Gerd-Ruge-Stipendiums Projekte junger Dokumentarfilmer.

Der FIRST STEPS Ehrenpreis ging bisher u.a. an Stefan Aust, Susan Schulte und Helene Schwarz. Er versteht sich als Verneigung vor einem Lebenswerk, das beispielhaft und unterstützend für den Filmnachwuchs ist, aber auch als Nachwuchspreis – also verbunden mit der Hoffnung auf Künftiges. Wir ehren mit Gerd Ruge eine Persönlichkeit, die ihren Un-Ruhestand nicht zuletzt dazu genutzt hat, sich für Projekte junger Kollegen einzusetzen. Wir bewundern die Neugier und Offenheit, die er Neuem entgegenbringt als beispielhaft. Aus Anlass des Ehrenpreises haben wir Gerd Ruge um Antworten auf einige Fragen gebeten:

11 Fragen an den Journalisten, Fernsehreporter und Dokumentarfilm-Förderer Gerd Ruge, First Steps Ehrenpreisträger 2011

1. Herr Ruge, ist Neugier eigentlich eine Tätigkeit oder eine Haltung?

Neugier ist ein Segen, mit dem Alles anfängt. Also die Haltung, die der Tätigkeit vorausgehen sollte.

2. Sie fragen die Leute oft als erstes: "Und, wie ist das Leben so?" Beantworten die Menschen erfahrungsgemäß eher die kleine oder eher die große Frage, die darin steckt?

Erstmal die kleine, aber auf die große kommen sie dann schon von selbst, wenn sie aus den kleinen Fragen das ehrliche Interesse herausgehört haben.

3. Worüber denken Sie mehr nach, wenn Sie einen Film vorbereiten: Was Sie an diesem Thema interessiert oder was das Publikum interessieren könnte?

Zuerst an das, was mich an einem Thema interessiert, und warum. Und dann, was die Zuschauer daran interessieren könnte – und warum.

4. Ein Land, ein Thema, eine Persönlichkeit für einen Film zu "entdecken" ist das eine. Orte, Themen, Menschen nach langer Zeit wieder aufzusuchen das andere. Was hat Sie mehr gefordert: Das Neue bekannt zu machen oder das sattsam Bekannte neu zu entdecken?

Wenn ich dem Alten von neuem begegnete. Weil man sich da erst durch Erinnerungen oder alte Vorurteile durchschlagen muss. Gerade deshalb gehe ich gerne auf Gebiete, die ich kannte und nun neu entdecken muss.

5. Braucht ein Dokumentarfilmer einen "Standpunkt", um einen guten Film zu machen? Und wenn ja: Sollte er den zum ersten Drehtag mitbringen oder sich im Laufe der Dreharbeiten erarbeiten?

Ein Standpunkt ist nützlich, damit man die Übersicht besser behalten kann - vorausgesetzt, man ist nicht zu lahm, ihn nach neuen Einsichten zu verändern.

6. Ach, jetzt mal eine ganz simple Frage: Worin besteht der Unterschied zwischen einer Reportage und einem Dokumentarfilm?

Bei der Reportage spielt der Reporter mit, der etwas erlebt und beobachtet. Beim Dokumentarfilm steht eben irgendwie das Dokumentarische im Vordergrund.

7. Und ganz ehrlich: Finden Sie diese Unterscheidung wichtig?

Eigentlich nicht.

8. Welche Eigenschaft oder Fertigkeit muss ein Jungfilmer heute mitbringen, die Ihre Generation kaum oder gar nicht gebraucht hat?

Er muss mehr von den technischen Möglichkeiten verstehen. Aber er sollte darüber nicht zu viel nachdenken, sonst wird es ein Kunstfilm.

9. Die Welt sei kleiner geworden, heißt es. Stimmt das Ihrer Erfahrung nach eigentlich?

Wenn die Reisegeschwindigkeit der Maßstab ist – ja. Aber wenn man bedenkt, wo man heute überall hinreisen kann oder sollte, um sich ein Bild zu machen, dann ist sie viel grösser und unübersichtlicher.

10. Was ist für einen Reporter berufsbedingt gefährlicher: noch zu wenig zu wissen oder schon zu viel zu kennen?

Zu viel zu kennen und nicht zu wissen, dass noch viel mehr zu sehen und zu erfahren ist.

11. Sie sind in Ihrem Leben vielen Menschen begegnet, die Weltgeschichte geschrieben haben. Wer hat Sie in der persönlichen Begegnung am meisten verblüfft?

Konrad Adenauer. 1955 – Ankunft in Moskau, zehn Jahre nach dem Ende des Krieges mit vielen Millionen Toten. Hochnervöses Protokoll. Ehrenformation der Sowjetarmee, Parade im Stechschritt, Deutschlandlied. Und dann, als sie die Front abgeschritten haben, zieht Adenauer den sowjetischen Ministerpräsidenten am Arm zur Seite und sagt ihm etwas, was niemand sonst versteht. Viele Jahre später verriet es mir der Dolmetscher: "Kommen Sie mal mit, Herr Bulganin", sagte der bundesdeutsche Kanzler. "Da drüben die Fotografen, das sind die wirklichen Diktatoren von Heute, da müssen wir jetzt hin." Und ich weiß bis heute noch nicht, wie ich das finde.

 

Alle weiteren Informationen unter www.firststeps.de

Pressekontakt:

SCHMIDT SCHUMACHER Presseagentur
Marten Schumacher, Simone Rauchhaus
Mommsenstr. 34, 10629 Berlin
Fon: 030-26 39 13-0, Fax: 030-26 39 13-15
Mail: info@schmidtschumacher.de

Dokumente:
FS11_PM6_Ehrenpreis.pdf136 K

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